In der derzeitigen Situation ist das Thema Homeoffice scheinbar omnipräsent: aus jedem Eck kommen Inspirationen, wie das schnell eingerichtete Homeoffice aussehen könnte. Das klassische Beispielbild zu „Homeoffice“ zeigt einen Tisch mit Rechner drauf, einen Stuhl davor und alles mittig vor einem Fenster plaziert. Die andere Variante ist, dass der Tisch direkt vor der Wand steht. Jeder versteht, was gemeint ist, baut es nach und fühlt sich unwohl. Warum?
Der Rücken ist ungeschützt
Steht der Tisch an der Wand oder vor dem Fenster, sitzt Du mit dem Rücken zum Raum. Vielleicht sitzt Du sogar mit dem Rücken zur Tür. Bei einer solchen Sitzposition hast Du nicht im Blick, was hinter Dir passiert und wer überraschend in den Raum kommt. Selbst wenn Du weißt, dass niemand von Außen in Deine Wohnung laufen kann, weil die Eingangstür verschlossen ist, rechnest Du unbewusst immer mit ungebetenen Besuchern. Dein Unterbewusstsein weiß nicht, dass es im Jahr 2020 lebt, sondern ist immer noch mit anderthalb Beinen in der Steinzeit in der Wohnhöhle. Mein Unterbewusstsein ist da übrigens auch noch.
Und jetzt frag Dich: Würde sich ein steinzeitlicher Höhlenbewohner mit dem Rücken zum Eingang in seine Höhle setzen und sich auf seine Arbeit vertiefen? Wahstscheinlich nicht, da er so keine Kontrolle darüber hat, ob sich Fressfeinde annähern.
Sitzt Du beim Arbeiten im Homeoffice mit dem Rücken zum Raum bzw. zur Tür, ist ein großer Teil deines Gehirns weiterhin damit beschäftigt, zu überprüfen, ob sich Fressfeinde nähern. Du verlierst so eine Menge Konzentrationsfähigkeit.
Weiteres Manko: Bei Videokonferenzen hast Du den kompletten Raum hinter Dir im Bild inklusive aller privaten Dinge, die Du Deinen Arbeitskollegen vielleicht nicht zeigen möchtest.
Das Licht von vorne blendet Dich
Bleiben wir bei der Anordnung Tisch vorm Fenster. Die zweite Sache, die Dich unwohl fühlen lässt, ist, dass Du tagsüber vom Tageslicht geblendet wirst und nachts in ein großes schwarzes Loch schaust. Tagsüber ist Dein Auge ständig damit beschäftigt, einerseits auf dem Bildschirm etwas erkennen zu müssen und gleichzeitig dafür zu sorgen, zuviel Licht vom Fenster auszublenden. Nachts erscheint das Fenster als große schwarze Fläche. In der Dunkelheit lauern die Fressfeinde, das beschäftigt Dein Gehirn ganz wunderbar. Auch diese Rechenleistungen nehmen Dir einiges Deiner Konzentrationsfähigkeit.
Dilemma
Wahrscheinlich denkst Du jetzt: „na toll, ich habe keinen Platz, um meinen Tisch anders zu stellen.“
Ja, ich verstehe Dich. Deswegen mein Vorschlag an Dich:
Bau Dir ein mobiles Homeoffice
„Jetzt ist sie komplett durchgeknallt“ – ja, das darfst Du denken.
Lass mich kurz von meinem Homeoffice erzählen, dann verstehst Du, was ich meine: Ich arbeite am Küchentisch und sitze mit dem Rücken zur Wand, habe alle Türen im Blick. Ich arbeite am Laptop und habe gefühlt 33 Notizbücher und einen Berg von Zetteln. Dazu Stifte, Ladekabel und noch mehr Zettel.
Mein Homeoffice ist deswegen mobil, weil ich meinen Laptop und die zu bearbeitenden Zettel zum Arbeiten auf den Küchentisch stelle und nach dem Arbeiten alles wieder abräume. Laptop und Arbeitsmaterialien lagern auf einem Regalbrett im Flur. Das bringt mir mehrere Vorteile, die für Dich auch interessant sein könnten:
  • Auf diese Weise muss ich nicht die Fläche für einen Arbeitstisch und Stuhl bereithalten.
  • Ich muss nicht erst aufwändig Möbel anschaffen.
  • Ich beende meine Arbeit spätestens zu den Essenszeiten.
  • Mein Büro ist genau ein Regalbrett groß.
  • Ich sitze so, dass mein Gehirn nicht mit Umgebungs-Absichern sondern mit arbeiten beschäftigt ist.
  • Ich arbeite, ohne geblendet zu werden.
  • Bei Videokonferenzen ist nur die Wand hinter mir mit im Bild. Dieses „Bild“ kann ich durch einmaliges Aufräumen bestimmen.
Und ja, ich habe auch diesen hübschen Schreibtisch, der vor dem Fenster steht und an dem ich mit dem Rücken zum Raum sitzen könnte. Könnte. Ich benutze diesen Platz nicht. Aus oben genannten Gründen.
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