Sonntags eine Holzterrasse zu bauen funktioniert nur, wenn man tolerante Nachbarn hat. Bau lieber Samstags und mach Dir vorher einen guten Plan. Dieser Artikel hilft Dir dabei.
Ein Garten entwickelt sich jedes Jahr weiter, neu, anders. So ist es zumindest mit unserem und das ist auch, was ich Gesprächspartnern zum Thema Gartengestaltung sage. Natürlich fängt man irgendwo irgendwie an, aber anders als in der Wohnung können unterschiedliche Nutzungszonen mal eben verändert werden.
So geschehen in unserem Gemüsegarten. Alles fing damit an, dass wir drei Gemüsebeete stillgelegt haben und die brachliegende Fläche auf einmal Sitzfläche wurde. Genauer: Wir entdeckten, dass es gerade im Frühling und Herbst ein gutes Sonnenplätzchen war, noch dazu windgeschützt.
Einige Zeit später suchte uns der Buchsbaumzünsler heim und fraß ein Stück Buchsbaumhecke auf. Im Gemüsegarten. Genau unter dem Fliederbusch. Schnell entstand die Idee, an der Stelle eine Terrasse zu bauen – wir wussten ja schon, dass es ein guter Sitzplatz ist.
Dann, an einem der letzten warmen Sonntage im September: Meine Schwester zog mit Spaten und Spitzhacke los, um den Boden der zukünftigen Terrasse zu begradigen. Fand einige große Steine, die als Unterlage für alte Paletten herhalten mussten. Richtete die Paletten so aus, dass ein minimales Gefälle entstand, damit Regen besser vom Terrassenholz abfließen kann.

Stellte mir dann die Frage nach einem passenden Holz für den Deckbelag und damit war ich dabei. Wir hatten glücklicherweise noch 25 Jahre altes Eukalyptusholz im Lager liegen, das aus einem alten Gebäude für ein zukünftiges Bauprojekt zurückgebaut worden war. Nun war die Zeit gekommen.
Wir bestimmten die Verlegerichtung und schraubten das Holz mit kleinem Abstand zueinander auf die Paletten. Am späten Nachmittag waren zwei Frauen ziemlich erledigt und glücklich darüber, eine neue Terrasse zu haben.


Das, was ich hier so Sendung-mit-der-Maus-like erzähle, konnte nur deswegen an einem Sonntag entstehen, weil wir das große Glück haben, eine Schreinerwerkstatt und jede Menge Material zur Verfügung zu haben. Sollte ich Dich jetzt auf Ideen gebracht haben, liefere ich den passenden Plan gleich mit:
Vorüberlegungen
Wenn Du eine Holzterrasse planen möchtest, braucht es folgende Vorüberlegungen:
An welcher Stelle möchtest Du die Terrasse bauen? Beobachte die Stelle durch die Tageszeiten und Jahreszeit hindurch und bilde die grobe Terrassenform mit Stöcken und Schnüren ab. Wann ist dort Sonne? Wie windgeschützt ist es dort? Gibt es Bäume oder Büsche für natürlichen Schatten? Kannst Du dort anderweitigen Sonnenschutz befestigen?
Möchtest Du Punktfundamente mit Beton gießen oder große Steine verwenden, die lose auf der Erde aufliegen? Wenn Du nicht gerade eine Terrasse am Hang planst, reichen in aller Regel die großen Steine aus.
Du benötigst eine Trägerkonstruktion für den später sichtbaren Terrassenbelag. Das können alte Europaletten sein oder Kanthölzer. Der Vorteil von Europaletten ist, dass eine bereits vorgegebene Struktur besteht, in die Du den Deckbelag verschrauben kannst. Außerdem ist es recht einfach, die einzelnen Paletten zu einer Fläche zusammenzulegen und mit einem leichten Gefälle zu positionieren.
Das Gefälle ist wichtig, damit Regenwasser besser vom Holz abfließen kann. Lange stehendes Wasser kann dazu führen, dass das Holz vorzeitig fault.
Miss die Grundfläche der Terrasse aus und schau dich im Baumarkt oder im Holzhandel nach einem geeigneten Terrassenbelag um. Je wetterbeständiger das Holz ist, desto besser eignet es sich für eine Terrasse. Es kann auch eine Lösung sein, über diverse Kleinanzeigenportale nach rückgebauten Belägen in der Nähe zu suchen. Mit etwas Glück findest Du jemanden, der gerade das entsprechende Material anbietet.
Ausführung
Du benötigst für den Unterbau Spitzhacke, Spaten und Harke. Damit begradigst Du den Boden und bereitest eine gerade Fläche vor, auf die die großen Steine gelegt werden.
Um die Unterkonstruktion auszurichten und mit Gefälle zu versehen, nimm eine lange Wasserwaage oder eine lange Latte und eine kurze Wasserwaage. Nimm auf einen Meter Strecke einen Zentimeter Gefälle an, also heb die Wasserwaage an einem Ende um einen cm an und baue so eine schräge Fläche. Verwende flache Steine oder dünne Holzbretter, um die Paletten passend auszurichten.
Wir haben die Paletten nicht am Untergrund befestigt, sondern mit dem Deckbelag die Paletten an Ort und Stelle gehalten. Dazu haben wir lange Bretter verwendet, die von einer Palette auf die nächste reichen.
Um das eigentliche Terrassenholz auf den Paletten zu befestigen, benötigst Du einen Akkuschrauber und Schrauben mit mindestens 40 mm Länge. Je nach Holzhärte kann es nötig sein, die einzelnen Bretter vorzubohren. Hast Du einen zweiten Akkuschrauber – super! Verwende einen zum Bohren und einen zum Schrauben. Das spart Dir Zeit, weil Du nicht ständig das Werkzeug umbauen musst.
Leg Dir eine Stichsäge bereit. Wir hatten das Glück, verschieden lange Holzstücke zur Verfügung zu haben, weswegen wir nicht sägen mussten.
Verleg dein Terrassenholz endlos. „Endlos“ bedeutet, dass Du kein definiertes Verlegemuster hast, sondern die Bretter willkürlich in Reihen verlegst. Bist Du mit einem Brett am Ende der Reihe angekommen, schneidest Du den Überstand ab und fängst mit dem Abschnitt vorne wieder an. Dadurch hast Du wenig bis gar keinen Verschnitt.
Du kannst Dir vor oder beim Verlegen Gedanken darüber machen, ob Du eine rechtwinklige oder eher organische Terrassenform bauen möchtest. Wir haben am hinteren Ende die Bretter unregelmäßig auslaufen lassen und die vordere Kante gerade geschnittten. Das mindert die Verletzungsgefahr beim Betreten der Terrasse.
Nutzung
Nicht vergessen: Der erste Kaffee auf der selbstgebauten neuen Terrasse ist der leckerste 

 Freu Dich an Deinem Bauwerk, auch wenn es vielleicht nicht zu 100% pefekt geworden ist. Du hast es gebaut, mit Deinen eigenen Händen. Das ist das, was wichtig ist.

Zeig mir Deine neue Terrasse! Ich freue mich, von Dir zu lesen, entweder im Kommentar oder per E-Mail. Außerdem freue ich mich, wenn Du Dich für meinen Newsletter einträgst und ich Dir damit regelmäßig Inspiration zum Wohnen zusenden kann.


Hinterlassen Sie einen Kommentar